Reportage über den "Herrn der Laser"

Er ist Herr über 150 000 Watt: Alexander Hennig (34) ist Creative Direktor der Firma LOBO und verantwortlich für die Lasershow im Holidaypark. Im Rahmen der „Summernights“ projiziert der diplomierte Informatiker jeden Freitag- und Samstagabend ein Feuerwerk aus Licht und Farben über den See des Parks. „Magic of the Night“ heißt die Attraktion, die in diesem Jahr wie in den Vorjahren sicher wieder viele Besucher anlocken wird. Sie ist noch bis zum 2. September zu sehen.

Viele hundert Meter Kabel umrunden den See des Holidayparks. Einige sind nur wenige Millimeter dünn, andere mehrere Zentimeter dick. Sie verzweigen sich, stecken in breiten Leisten, enden in mannshohen Elektroschränken und in Kisten mit scheinbar unendlich vielen Lämpchen. Hennigs Finger liegt auf der Maustaste eines Computers. Hier laufen alle Drähte zusammen. Er steht vor der Schaltzentrale. Zwei gibt es davon: eine auf der Zuschauertribüne und eine hinter den Kulissen auf der anderen Seite des Sees. Hier stehen auch zwei der insgesamt vier Laser.

In einer rund zwei Meter langen Metallbox verbirgt sich das optische Herzstück der Show: Zwei Laserkanonen aus denen scheinbar grünes Licht austritt. „Die Laserleute nennen das Weißlicht“, erläutert Hennig, „da es alle Farben enthält.“ 15 000 Watt nimmt ein Laser auf, um einen nur zwei Millimeter dünnen Lichtstrahl entstehen zu lassen. „Die Lichtleistung liegt bei fünf Watt“, sagt er. Das klingt erst einmal scheinbar nach nichts - jede Glühbirne in einer Wohnung hat eine höhere Lichtleistung. Dennoch kann man an dem Laserstrahl eine Zigarette entzünden, wie einer seiner beiden Kollege eindrucksvoll demonstriert, das kann man am Lichtstrahl der Glühbirne nicht. Das Geheimnis liegt in der Bündelung der Energie in dem dünnen Strahl.

In einem kleinen Kasten trennt die Optik die Farben des Strahls auf. Blitzschnell entstehen nacheinander Rot, Blau, Grün, Gelb. Linsen und Spiegel bringen das Licht in die rechte Form und Bewegung. Schließlich verlässt es durch zwei Löcher die Metallbox und jagt über den See, bis es auf eine Vielzahl von Wassertröpfchen trifft: das für den Besucher sichtbare Bild entsteht.

„Sicherlich hat jeder schon mal beim Abspülen einen Löffel unter den Wasserstrahl gehalten“, beschreibt Hennig die Funktionsweise der Wasserwand. „Das Wasser spritzt in alle möglichen Richtungen auseinander.“ Ähnlich arbeitet die Wasserleinwand, die er für die Projektion mitten im See entstehen lässt. Sechs Pumpen ziehen das Wasser aus dem See, das anschließend mit 100 Bar und 50 Liter pro Sekunde auf die Verteilerfläche schießt, die tatsächlich an einen Löffel erinnert. Es entsteht eine halbrunde Wand aus kleinen Wassertröpfchen, in denen sich das Laserlicht fängt.

Jedes Bild wurde von einem Grafiker per Hand gezeichnet und dann Punkt für Punkt in den Computer übertragen, anschließend mit Farbe versehen und zu der Show zusammengefügt. „Für die ersten 30 Sekunden der Show benötigten wir rund 700 Bilder“, erläutert der Creative Director die Vorgehensweise. 20 Minuten dauert die Show, die unter anderem vom Geheimnis der neuesten Fahrattraktion des Parks, dem „Lighthouse Tower“, erzählt, aber auch von der Liebe zur Musik und von den anderen Erlebnismöglichkeiten im Park. Es gibt auch Showteile, die mehr als 2000 Bilder für eine Minute benötigen.

Sechs Zeichner, Programmierer und Techniker sind gut vier Monate mit der Vorbereitung der Show beschäftigt. „Wir testen den gesamten Ablauf in unserem Studio“, erläutert Produzent Hennig. Auf 600 Quadratmeter simulieren Wasserleinwand und Laser die Abläufe, wie sie später im Park zu sehen sein werden. Hier wird getestet, optimiert und schließlich vom Kunden abgenommen, was der Besucher zu sehen bekommt. Diese kommen aus aller Welt, weiß Hennig. „Letzte Woche war ein israelischer Feuerwerker da, um sich die Sache anzusehen“, freut er sich. Mit der Abnahme der Show im Studio ist die Programmierarbeit aber noch nicht zu Ende. „Wir reagieren auf die Publikumsreaktionen und verändern immer wieder etwas im Showablauf, um ihn noch mehr zu optimieren“, sagt der Produzent.

Mit flächigen Lichteffekten entführt Hennig die Menschen in eine virtuelle Welt. 50 Spiegel und 19 Nebelanlagen hüllen den Raum über dem 30 000 Quadratmeter großen See in Licht und Farben. Wie in einen Farbrausch nehmen sie den Betrachter mit in eine unwirkliche Zauberwelt. Für die Show im Holidaypark ist Material für etwa eine Million Euro verbaut worden. Rund eine Stunde benötigen die drei Techniker am Abend, um alles startklar zu machen, die Position der Laser und der Spiegel zu kontrollieren und den Ablauf noch einmal zu überprüfen.

Interaktive Elemente beteiligen den Zuschauer an der Show. Sie klatschen rhythmisch zu den Bildern und der Musik und schwenken Leuchtstäbe nach der Vorgabe kleiner Animationen, die in die laufenden Schau eingeblendet werden. „Das ist eine einmalige Sache, weltweit, dass die Besucher zu einem Teil der Show werden“, erläutert Hennig mit ein wenig Stolz in der Stimme. „In der Fachpresse wurde das sehr kontrovers diskutiert.“

Für die Firma LOBO aus Aalen ist die Aktion im Holidaypark ein „Heimspiel“. Nur zehn Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen nach eigenen Angaben in Deutschland, die restlichen 90 Prozent im Ausland, den überwiegenden Teil davon im außereuropäischen Raum. Ob Korea, Argentinien, Bangkok, Chile oder am Persischen Golf, überall auf der Welt kann man auf Installationen der innovativen Firma stoßen. Lasertechnik findet sich in Diskotheken und zur Animation von Gebäuden genau so wieder wie auf der Bühne der Wagner Festspiele in Bayreuth – oder über dem See des Holidayparks.

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